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Über Goldlöckchen und Zombies

BS   -     12.04.2018   -   Marktkommentar


2018 wird für die Weltwirtschaft ein weiteres Boomjahr werden. Ehemalige Krisenländer wie Spanien, Portugal und Griechenland sind auf einem guten Weg, viele Schwellenländer profitieren von günstigen Finanzierungsbedingungen und stabilen Rohstoffpreisen. Selten war ein Aufschwung so global so breit aufgestellt wie im letzten Jahr. Dennoch brechen die Aktienkurse in diesem Jahr ein. Ist die aufkommende Angst der Börsianer begründet?

Die Wirtschaft wächst – alles gut?

Die vergangenen Jahre bezeichnen Ökonomen gerne als Goldilocks. In Anlehnung an das Märchen von Goldlöckchen und den drei Bären finden Unternehmen in dieser Zeit gute Bedingungen für stabiles Wachstum bei gleichzeitig geringen Teuerungsraten und damit niedrigen Zinsen vor. Insbesondere dank steigender Digitalisierung und Robotisierung blieben die Löhne in den letzten 10 Jahren niedrig. Die Zentralbanken waren eher in Sorge vor einer Deflation, als vor hohen Inflationsraten. Mittlerweile dreht allerdings der Trend.

In Ländern wie den USA, aber auch Deutschland steigt langsam der Lohndruck. Grund für einige Zentralbanken, den Liquiditätshahn langsam zuzudrehen. Geht die Flut nun zurück, offenbaren sich mehr und mehr die Ungleichgewichte, welche die lange Zeit niedrigster Zinsen hervorgerufen hat.

Zombies auf dem Vormarsch

Noch in 2017 sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit über zwanzig Jahren. Diese positive Meldung verdeckt allerdings die Tatsache, dass die Schuldentragfähigkeit bei steigenden Zinsen und einem Schrumpfen der Wirtschaft bei vielen Unternehmen nicht mehr gegeben ist. So schätzt die Bank of Amerika, dass bereits heute 9 Prozent der Unternehmen in Europa nur noch am Leben sind, weil sie dank besonders niedriger Zinsen ihre Schuldenlast tragen können. Solche sogenannten „Zombies“ gibt es auch in anderen Teilen der Welt. In den USA sollen 20 Prozent der Unternehmen bei steigenden Zinsen in Schwierigkeiten geraten. Die schwache Zinsdeckung macht die Unternehmen stark abhängig vom Kapitalmarkt und erhöht das Insolvenzrisiko beträchtlich. China hat das Problem der Zombies erkannt und versucht gegenzusteuern. Mit der Folge, dass die Unternehmensinsolvenzen bereits stark gestiegen sind.

Warum sind Zombies gefährlich

Die niedrigen Zinsen haben eine rechtzeitige ökonomische Bereinigung verhindert. Kränkelnde Unternehmen mit überholten Geschäftmodellen und geringer Innovationskraft werden künstlich am Leben gehalten. Unter „realen“ Wettbewerbsbedingungen wären viele schon lange nicht mehr wettbewerbsfähig. Ein großes Problem: Banken wollen und können vielfach ihre alten Kredite nicht abschreiben. Sie verlängern lieber noch so lange es geht ihre Kreditzusagen. Doch damit werden nur alte Löcher gestopft statt in Forschung und Innovation zu investieren. Das tote Pferd wird weiter geritten.

Eine steigende Anzahl an Zombie-Unternehmen wirkt daher wie Gift für Produktivitäts- und Wachstumspotentiale. Sie entfalten keine wirtschaftliche Dynamik und hemmen so direkt und indirekt die gesunden Unternehmen. Zudem wachsen die negativen Auswirkungen durch die immer weiter steigende Verschuldung. Kommt es zum Knall, ist zu befürchten, dass eine größere Anzahl von Insolvenzen gleichzeitig eintritt. Das belastet wiederum die Bankbilanzen. Ein Dominoeffekt, der schnell zu einem Flächenbrand werden kann.

Fazit

Ob die großen Notenbanken in den kommenden Quartalen eine deutliche und nachhaltige Zinswende vollziehen können, wenn dadurch eine große Anzahl von Unternehmen in Insolvenzgefahr gerät, ist fraglich. Allerdings haben sich die für US-Unternehmen so wichtigen kurzfristigen Zinsen innerhalb eines Jahres bereits mehr als verdoppelt. Dies schürt die Ängste der Börsianer und führt zu den crashartigen Verkäufen der Aktien. Anleger sollten sich darauf vorbereiten, dass sich das Goldilock-Umfeld langsam dem Ende neigt. In erster Linie geht es darum, das Vermögen zu bewahren, um mögliche Marktverwerfungen für neue, aussichtsreiche Investitionen zu nutzen. Wir investieren daher verstärkt in Sondersituationen, die eine vergleichsweise geringe Abhängigkeit von den täglichen Börsenschwankungen und einem Zinsanstieg haben.

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