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Nicht dort stehen wo der Blitz einschlägt

Nachdem die europäische Schuldenkrise nunmehr über Monate von allen Seiten beleuchtet wurde, kann zumindest eine Erkenntnis als sicher gelten. Die europäischen Staaten haben in den vergangenen vier Jahrzehnten ein Wohlfahrtssystem aufgebaut, dass so nicht mehr an den Märkten zu finanzieren ist. Die notwendigen Reformen können nur mit Hilfe der EZB und einer höheren Inflationsrate gelingen.

Schon heute steht fest, die Verschärfung der Schuldenkrise und das schwache Wirtschaftswachstum in der Eurozone machen es für Spanien, Italien und Co derzeit unmöglich, aus ihren Schuldenbergen herauszuwachsen. Verschärfte Spar- und Strukturprogramme allein können die Märkte folglich nicht mehr beruhigen. So lässt sich auch die verhaltene Reaktion der Märkte auf die Beschlüsse des EU-Gipfels vom 8. und 9. Dezember begründen.

EZB bleibt als Käufer der letzten Instanz weiter im Spiel

Positiv zu werten ist, dass die europäischen Regierungschefs mit den beschlossenen Maßnahmen zur Haushaltsdisziplin die von der EZB aufgelegte Latte in Sachen Fiskalpaket wohl übersprungen haben. Im Gegenzug werden die Eurostaaten nach unserer Einschätzung von der EZB in den nächsten Jahren eine noch deutlich umfangreichere geldpolitische Unterstützung als bis dato erhalten, um potentielle Staatsinsolvenzen während des Reformprozesses zu vermeiden. Die skizzierte Rolle der EZB birgt zweifellos die Gefahr, dass wir in Zukunft höhere Inflationsraten in Europa bekommen. Durch die aktuell beschlossenen Sparmaßnahmen auf Staatenebene wird die Rezession in Europa jedoch voraussichtlich derart schnell voranschreiten, dass zunächst sehr deflationäre Tendenzen erzeugt werden. In diesem Szenario durchbrechen breit gestreute Anleihenkäufe der EZB erstmal nur den sehr gefährlichen Teufelskreis von Deflation und Schulden.

Vermögensanlage im Spannungsfeld zwischen Inflation und Deflation

In diesem Spannungsfeld kann es die perfekte Kapitalanlage naturgemäß nicht geben. Finanzierte Immobilien können in einem inflationären Umfeld ein Treffer sein, bergen jedoch in einem deflationären Szenario mit fallenden Preisen, zahlungsschwachen Mietern und einer gleichzeitig rückläufigen Demografie enorme Risiken. Mit Festgeld erwirtschaften Anleger derzeit negative Realzinsen und die Kursschwankungen des Goldpreises stehen den Schwankungen an den Aktienmärkten in nichts nach. Vor diesem Hintergrund war es wohl noch nie gefährlicher als heute, bei der Vermögensanlage die Risikostreuung zu vernachlässigen. Nass werden im Zweifelsfall alle Anleger. Mit einer gut diversifizierten Anlage steht der Anleger jedoch ganz sicher nicht dort, wo der Blitz einschlägt.


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